Der Sommer vor den Eisheiligen.

Gestern war Hochsommer. 31 Grad im Schatten. Dresden transpirierte vor sich hin. Die Luft war zum Schneiden dick. Selbst die schwatzhaften Vögel waren des Zwitscherns müde. An einem 11. Mai sind solche Temperaturen eben sehr gewöhnungsbedürftig.

Gegen Abend wurde die Schwüle unerträglich. Doch am Himmel kündigte sich mit dunklen Gewitterwolken Abkühlung an. Dann nahm der Wind zu und wirbelte die herumfliegenden Pollen durch die Luft. Ein kurzer Regenschauer benetzte die Erde. Doch nach wenigen Minuten waren Straßen und Gehwege wieder trocken. Die Flüssigkeit war einfach verdunstet und die Freude auf den ersehnten Regen schwand.

Erst nach 22 Uhr kamen die dunklen Wolken wieder. Mit Sturmgebraus meldete sich ein Gewitter an. Blitze zuckten am Horizont. Es donnerte in der Ferne. Plötzlich stürzte Regen fast waagerecht in den trockenen Boden. In Sekundenschnelle bildeten sich reißende Bäche auf den Straßen, in denen tausende Blütenblätter wie kleine Boote in die Tiefen der Schleusendeckel gerissen wurden.

Aus dem Sturzregen wurde ein feiner Landregen. Die Natur atmete auf. Die Luft wurde rein und klar, denn der Regen hatte sämtliche Pollen und den Staub weggewaschen. Das Donnergrollen entfernte sich immer weiter, nur der Niederschlag hatte es bis hierher geschafft.

Am nächsten Morgen kam die Überraschung: Die Eisheiligen waren über Nacht gekommen! Ganze 9 Grad zeigte das Thermometer und ein böiger Wind wehte mir früh halb acht beim Weg zum Bäcker entgegen. Zum Glück hatte ich eine dicke Jacke angezogen. Nicht ein Sonnenstrahl blinzelte mir ins Gesicht. Doch gegen Mittag zeigte sich dann Klara am Himmel, aber der Wind lies die Temperatur nicht über die 16 Grad Marke klettern, die Hälfte des gestrigen Höchstwertes! Doch bereits am Dienstag sollen wieder frühlingshafte Temperaturen in unsere Gefilden ziehen, wenn man der Wettervorhersage trauen kann.

Bis dahin lege ich eben die kurzen Hosen wieder in den Schrank und trinke einen heißen Tee.

Der alte Apfelbaum.

Auf der Wiese steht ein riesiger Apfelbaum. Weil er so alt ist, kann er sich selbst kaum noch tragen. Deswegen hat der Bauer etwa drei Meter vom Stamm entfernt einen dicken Stock als Stütze für den größten Seitenast aufgestellt. Wieder trägt der Baum Blüten. Er gönnt sich kein Ruhejahr.

Versunken steht er da und setzt Früchte an. Mittags besucht ihn eine Blaumeise, nachmittags kommen die Amseln und in der Abenddämmerung macht ein Rotkehlchen kurz Rast in den Zweigen.

Manchmal knarrt und seufzt er, wie es eben alte Bäume tun. Heute Morgen ist ein Ast abgebrochen und dieser liegt nun wie ein untergehendes Segelschiff im Gras. Dieses Jahr wird es wohl mindestens einen Korb weniger knackige Äpfel geben.

Wanderung durch den Schaftwald im Bielatal.

Samstagmorgen und die Sonne scheint. Die Rucksäcke der Kinder und mein eigener sind schnell gepackt, die Stullen geschmiert, die Flaschen gefüllt. Dann geht es mit dem Auto in die Sächische Schweiz. Startpunkt ist der Parkplatz ein kleines Stück vor der Ottomühle im Bielatal. Das Parken kostet drei Euro, aber das ist bei touristischen Zielen inzwischen Normalität.

Dann ging es den Bielagrundweg entlang durch den Schaftwald. Zu Anfang sah man noch die bizarren Sandsteinfelsen, die wie krumme Nadeln aus dem Boden ragen und auf denen mutige Kletterer auf den Gipfel strebten. Nach einer reichlichen halben Stunde Fußmarsch kamen wir an den Singeborn. Das ist eine Quelle, die den Sand über dem Wasseraustritt wie kochenden, blubbernden Grießbrei aussehen lässt. Ein faszinierendes Naturschaupiel. Weiter ging es den gut ausgebauten Weg durch den Wald. Zitronenfalter, Tagpfauenaugen und Kohlweißlinge flatterten munter um uns herum. Plötzlich bekamen wir Hunger, so kletterten wir auf einen kleinen Felsen und verspeisten unser mitgebrachtes Mahl. Gesättigt ging es dann den Weg weiter in Richtung Grenzplatte.

Nach einer knappen Dreiviertelstunde wurde es langsam unwegsamer und es ging ständig bergauf. Ein regelrechter Birkenwald säumte den Weg. Doch nach einer halben Stunde waren wir auf der Grenzplatte angekommen und wurden mit einem sehr schönen Blick auf das Nachbarland Tschechien belohnt. Wir setzten uns auf den Sandsteinfelsen und genossen minutenlang die Stille und die Fernsicht.

Dann ging es weiter den Wormsbergweg zurück in Richtung Ottomühle. Am Wegesrand türmte sich stapelweise geschlagenes Holz. Überraschend verschwand die Sonne und dunkle Wolken zeigten sich bedrohlich am Himmel. Der Wind rauschte düster durch den Nadelwald. Doch zum Glück kam das Gewitter nicht zu uns und wir konnten unsere Wanderung unbeschwert fortsetzen.

Eine lange Weile ging der Weg schnurgerade aus. Dann mussten wir allerdings wieder den Berg hinabsteigen. Schließlich waren wir vorher schon hinaufgekraxelt. Einen knappen Kilometer vor dem Parkplatz liegt die Bennohöhle versteckt im Wald. Wieder ging es etliche Stufen hinauf in die Sandsteinwelt. Schließlich fanden wir die 1824 entdeckte kleine Grotte. Höhlenbärenknochen suchten wir jedoch vergebens.

An der Ottomühle machten wir kurz Rast und genossen jeder ein Eis, welches wir uns redlich verdient hatten. Dann liefen wir noch fünf Minuten bis zum Parkplatz, wo wir uns ziemlich geschafft, aber glücklich auf den Sitzen niederließen und anschließend gen Heimat fuhren.

Die Bilder zur Wanderung: Klick!

Bieneninvasion im Kirschbaum.

Heute Morgen, als ich unter dem über 40jährigen Kirschbaum stand, vernahm ich seltene Geräusche. Ich hob den Kopf und über mir breitete sich ein weißes Blütenmeer aus. Ich schloss die Augen und hörte die hundertfachen Flügelschläge der fleißigen Bienen als Summen und Brummen. Ein Augenblick für die Ewigkeit.

Sogleich holte ich meine Kamera aus dem Haus, um die Bienen bei der Arbeit zu fotografieren. Sie nahmen von mir keine Notiz, so dass ich ungestört dieses jährlich wiederkehrende Naturschauspiel festhalten konnte.

Eine kleine Auswahl an Bildern ist hier zu finden: Bieneninvasion.

Hummelflug.

Normalerweise ist Ostern das schönste Frühlingswetter. Diesmal schien zumindest am Ostermontag die Sonne ein paar Stunden, doch der stürmische Wind trübte den positiven Gesamteindruck. Die Kinder hatten ihre Osternaschereien gefunden und waren längst ins Haus geflüchtet.

Da entdeckte ich hinter dem Schuppen in den Johannisbeersträuchern, an deren Zweigen sich die ersten zarten Blätter zeigten, eine laut vor sich hinbrummende Hummel. Schwerfällig flog sie von Strauch zu Strauch und suchte in den zarten Blütenknospen nach Nektar.

Zum Glück hatte ich noch die Kamera umhängen, die ich zuvor bei der Ostereiersuchknipserei benutzt hatte. Nun galt es, die Hummel vor die Linse zu bekommen. Ob mir dies gelang, kann jeder selbst nachschauen: Hummelfotos.

Frühling in der Dresdner Heide.

Es war das erste sommerlich warme Wochenende in diesem Jahr. Satte 21 Grad und Sonnenschein ließ die Menschen, wie es schon damals Goethe im Osterspaziergang beschrieben hatte, in Scharen in die Natur strömen. Nur ist Ostern erst in drei Wochen. Dennoch wollten alle die wärmenden Sonnenstrahlen genießen. So zog es uns auch hinaus in die Natur.

Diesmal war die Heidemühle in der Dresdner Heide Startpunkt unserer kleinen Wanderung. Der Parkplatz direkt am Landgasthof war besetzt, obwohl es erst kurz nach 13 Uhr war. So mussten wir ein Stück weiter an einem wilden Parkplatz an einem Forstweg unser Fahrzeug abstellen.

Dann ging es den asphaltierten Gänsefuß hinauf in Richtung Hofewiese. Es war wirklich viel los. Radfahrer mit und ohne Kindern, Mountainbiker, Spaziergänger frequentierten unseren Weg. Dennoch war es ziemlich ruhig im Wald. Nur die Vögel zwitscherten flotte Frühlingsmelodien. Ein Zitronenfalter flatterte direkt vor unseren Nasen herum. Nach knapp 2,5 km passierten wir den Landgasthof Hofewiese. Die Pferdekoppel gegenüber stand noch teilweise unter Wasser und daraus wurden die Wanderer lauthals mit einem Froschkonzert beglückt.

Weiter ging es in Richtung Prießnitzgrund. Der asphaltierte Weg war einem richtigen Wanderweg gewichen. Der Wald wurde dichter, doch ab und zu ließ er die Sonnenstrahlen durch. Es ging zunehmend bergab und nach etwa 1,5 km kamen wir zur Kannenhenkelbrücke. Von dort ging es noch reichlich 2,5 km im idyllisch gelegenen Prießnitzgrund wieder zurück zur Heidemühle. Die Prießnitz plätscherte fast unhörbar neben dem Weg. Kleine Seen, die zunehmend versumpfen, säumten den Weg. Immer wieder begegnen wir Radfahrern, die wohl heute zu Hunderten durch die Dresdner Heide strampelten.

Etwa einen halben Kilometer vor dem Ziel verdunkelte sich der Himmel und es fielen Regentropfen vom Himmel. Erst nur ein paar, dann immer mehr. So rannten wir die letzten Meter bis zum Auto. Kaum saßen wir jedoch im Wagen, blinzelte die Sonne aber auch schon wieder durch die Wolken. Aprilwetter im März, einfach unglaublich.

Ein paar Impressionen dieser wunderschönen Tour gibt es hier zu sehen: Klick!

LEGO-Fieber.

Fast jeder kennt die kleinen bunten Plastikbausteine, mit denen man wunderbare Dinge bauen und seine kreative Fantasie ausleben kann. Aufgrund meiner frühen Geburt im östlichen Teil Deutschlands hatte ich allerdings keine LEGO-Steine, sondern das DDR-Pendant, die PEBE-Klötzer. Diese ähneltem dem LEGO-System, jedoch ging die Steinvielfalt nicht über das Grundsortiment des Originals hinaus. Gespielt habe ich dennoch sehr viel damit und habe Raketen, Piratenschiffe und andere Fahrzeuge gebaut.

Genau erinnere ich mich noch daran, dass die Steine nach längerem intensiven Konstruierens nicht mehr so fest aufeinander saßen. Ich habe dann immer kleine Papierschnipsel zwischen sie Steine gelegt, damit diese wieder fest aufeinander hielten. In diesen Momenten vermisste ich die “richtigen” Bausteine schmerzlich.

Inzwischen habe ich selbst Kinder und die LEGO-Welt steht in jedem Spielwarengeschäft in bis zur Decke gefüllten Regalen zur Verfügung. Ich gebe zu, manchmal überkommt mich das LEGO-Fieber und dann fahre ich mit meinen Abkömmlingen einfach in Spielzeuggeschäft, nur um vor diesen Regalen zu stehen und selbst wie ein Kind mit leuchtenden Augen die bunten Pappkartons zu bestaunen.

Dort gibt es die neuesten Kataloge, die natürlich gleich mitgenommen und zuhause ausgiebigst gewälzt werden. Mein Sohn markiert dann fast die Hälfte der Katalogartikel mit einem dickes Filzstift. Ankreuzen kann er alles von mir aus. Was er dann bekommt, steht auf einem anderen Blatt.

Schon seit über zwei Jahren ist StarWars seine allererste Wahl und es gab bereits den einen oder anderen Ewok-Angriff oder Sternenkrieg im Kinderzimmer. Meine Tochter wählt sich lieber Eigenheime mit einer 3-in-1-Bauanleitung aus oder etwas, was mit Pferden zu tun hat. Das nenne ich vorausdenkend und zielstrebig.

Als die Kinder noch kleiner waren, durfte ich ihnen beim Aufbauen helfen. Da habe ich mich schon beim Kaufen darauf gefreut, stundenlang mit den Beiden vor den Bergen kleiner Plastiksteine zu sitzen und zu sehen, wie langsam das Raumschiff oder das Gebäude seine Form annahm. Nur jetzt wollen sie alles allein aufbauen. Vielleicht kaufe ich mir mal selbst einen Bausatz, am liebsten einen großen LKW von LEGO TECHNIC. Aber den will ich dann ganz allein zusammenbasteln!

Eines gefällt mir an den LEGO-Steinen überhaupt nicht: Wenn ich Abends nach den Kindern schaue und dabei barfuß auf einen dieser eckigen, unheimlich harten Steine trete. Ja, so habe ich das Leisefluchen erlernt.

Unbarmherzig nagt der Zahn der Zeit.

Gestern am frühen Vormittag war es soweit: Ich überlebte eine Wurzelspitzenresektion. Ich gebe zu, diese Maßnahme war notwendig, da die Backenzahnwurzel entzündet war. Da ich nicht masochistisch veranlagt bin, freute ich mich natürlich nicht auf den Termin beim Kieferchirurgen. Dennoch habe ich mich auf dessen Folterstuhl gesetzt. Die Operation war nach einer knappen halben Stunde vorbei und es war wirklich nicht sehr angenehm. Aber dank örtlicher Betäubung verlief die Aktion relativ schmerzfrei und der Angstschweiß floss nicht so reichlich wie gedacht. Nur die Geräusche, welche von den Werkzeugen des Zahnhandwerkers stammten, störten die ansonsten entspannte Atmosphäre.

Einen Tag danach ist die betroffene Gesichtshälfte noch immer hamsterbackenmäßig geschwollen und leicht blau, was in den nächsten Tagen sicher in lila und gelbe Farbtöne umschlagen wird. Das fällt dann aber nicht weiter auf, da nächste Woche sowieso Fasching ist.

Durch dieses Ereignis wurde mir mal wieder bewußt, dass der körperliche Verfall immer schneller voran schreitet. Ab vierzig Jahren ist das wohl so, dass es ab und zu hier und dort kneift oder zieht. Aber ich lasse mir von solchen Dingen nicht die Lust am Leben verderben. Das Leben selbst ist so schön, wenn man den Blick auf die vielen positiven Seiten richtet.

Doch gerade vorhin merkte ich, dass mein linkes Knie beim Treppensteigen zwickt. Der Zahn der Zeit nagt also nicht nur im Mund.

Update 6. März 2012: Der beschriebene Zahn war letztendlich doch nicht zu halten. So wurde er heute schlichtweg gezogen. Der Verfall schreitet also noch schneller voran.

Das Monster unter dem Bett.

Es ist Nacht. Im Zimmer ist es total dunkel. Ich liege im Bett und bekomme plötzlich Angst, es könne jemand unter dem Bett liegen. Versteckt sich dort ein dreiäugiges Monster, ein Gespenst mit glühenden Augen oder lauert da gar ein garstiger Dieb, der das ganze Spielzeug stehlen will? Aber das ist nun schon viele Jahre her, jedoch war dies als Kind für mich sehr unheimlich, besonders wenn ich vorher einen gruseligen Film geschaut hatte. Ich bin mir sicher. dass fast jeder in jungen Jahren schon einmal ganz vorsichtig und voller ängstlicher Erwartung unter sein Bett geschaut hat.

Die Fragen nach den Unter-dem-Bett-Monstern bekomme ich derzeit ziemlich oft von meiner Tochter gestellt. Ich versuche, ihr zu erklären, dass es weder Monster noch Gespenster gibt und wegen der Diebe wird abends die Wohnungstür verschlossen. Aber so recht glauben will sie mir dennoch nicht. Das Licht im Flur muss leuchten, wenn sie im Bett liegt und natürlich bleibt die Kinderzimmertür ein Stück offen.

Mehrere Bücher habe ich ihr zu diesem Thema vorgelesen und mit ihr darüber geredet. Wieder und immer wieder. Aber die Angst meiner Tochter ist geblieben und das Licht brennt noch immer so lange, bis sie eingeschlafen ist.

Bevor ich das Licht im Flur lösche, schaue ich sicherheitshalber ab und zu unter ihr Bett. Aber da liegen nur kleine Wollmäuse, die nächtens Legosteine fressen und und nun mit prallen Bäuchen unter der Schlafstelle ruhen. Sie erinnern mich daran, auch dort einmal gründlich zu saugen. Dann gebe ich ihr einen sanften Kuss auf die Stirn und schaue im Halbdunkel in ihr selig schlafendes Gesicht. In diesen Momenten komme ich mir ein klitzekleines bisschen wie ein Ritter vor, dessen Aufgabe es ist, die Prinzessin zu beschützen.

Kartoffelsalat und Heiligabend – Krieg und Frieden.

Nun sind es noch vier Tage bis Heiligabend. Langsam macht sich im Land Unruhe breit, die ganzen Zutaten für die Weihnachtsfressorgien müssen besorgt werden. Zuerst kommt dabei der seit Generationen traditionelle Kartoffelsalat am Heiligabend an die Reihe. Diejenigen, die ihn lieben, wollen immer nur Omas Kartoffelsalat futtern. Diejenigen die ihn hassen, boykottieren diesen Brauch.

Doch der Großteil der deutschen Bevölkerung pflegt dieses Brauchtum. Jedoch birgt dieser eigentlich schnöde Kartoffelsalat jede Menge Zündstoff. Neben regionalen Unterschieden hinsichtlich der Zutatenliste gibt es natürlich die bestgehütetsten Familienrezeptgeheimnisse. Aber in einem sind sich wenigstens alle einig: Hauptbestandteil sind Kartoffeln, festkochend. Vorrangig Pellkartoffeln wegen der appetitlichen gelben Farbe.

Sind die geschälten, noch warmen, Kartoffeln in dünne Scheiben geschnitten, stellt sich die erste Glaubensfrage: Kommt Wurst in den Salat oder nicht und wenn ja, welche? Sollte es gewürfelte harte Wurst, Fleischwurst (Geflügel? Schwein?), Jagdwurst, Kochschinken, Speck sein? Oder Matjes oder gar grüne Heringe? Manchmal ist der Familienfriede schon an dieser Stelle dahin.

Dann kommen die sauren Gurken dran, fein in Würfel geschnitten. Aber natürlich nur eigene Ernte oder die Echten Spreewälder. Man will ja nur das Beste. Weiter geht es mit den Zwiebeln (Rote oder Weiße?) Oder dann doch Schalotten? Auf jeden Fall schön kleingehackt sollen sie den Kartoffelsalat geschmacklich verfeinern. Fein zerkleinerter Knoblauch könnte auch den Weg in die Schüssel finden. Ein geschälter und kleingewürfelter Apfel bringt Frische und Vitamine in den Salat. Gekochte und zerschnittene Eierwürfel sind auch gern gesehene Gäste im Kartoffelsalat. Aber auch hier herrscht enormes Streitpotenzial. Manche Küche musste dahingehend sicher schon viel aushalten.

Der größte Knackpunkt, der sicher auch schon ganze Familienweihnachtsabende verdorben hat, ist das Dressing. Nimmt man nun Mayonnaise, Joghurtsauce, Naturjoghurt, saure Sahne, Crème fraîche, Schlagsahne oder eine Vinaigrette aus Öl, Essig und Gurkenwasser? Oder von jedem ein bisschen? Oder greift man profan zum Fleischsalat, denn da ist die Wurst ja schon drin?

Um einem Gewürzdilemma aus dem Weg zu gehen, sollte der Einsatz von Salz, Pfeffer, Senf, Zucker, Kümmel oder Balsamico im Groben abgesprochen werden. Es gibt da auch Befindlichkeiten, auch als Allergien bekannt. Dekorative Vitamine wie Schnittlauch oder Petersilie runden den Salat am Tag des Servierens ab. Aber da sind der Fantasie der/des Salatkreativen keine Grenzen gesetzt.

Dann sollte man alles schön umrühren und einen Tag stehen lassen. Gut, ein wenig kosten sei erlaubt. Wenn es schmeckt, kann das Kriegsbeil auch wieder unter dem Küchenschrank vergraben werden, wenn es denn überhaupt hervorgeholt wurde.

Bevor der Weihnachtsabend anbricht, sollte zudem die Frage geklärt werden, was zum Kartoffelsalat gereicht wird: Bockwust? Wiener Würstchen (Eigendarm? Schäldarm?)? Chilliwiener? Käseknacker? Pferdewürste? …

Übrigens, genau eine Woche nach Heiligabend ist Silvester. Auch da gibt es vielerorts die Tradition, Kartoffelsalat zum Abendbrot zu kredenzen. Aber vielleicht kann man da einen Nudelsalat machen. Wobei, da stellt sich auch die Frage, Welche Teigwaren nehme ich? Hartweizengriesnudeln? Bionudeln? Eierteigwaren? Spinatnudeln? …

Egal, was letztendlich auf dem Tisch steht: Ich wünsche allen einen Guten Appetit und vor allem ein friedliches und erholsames Weihnachtsfest!