Eisblumen

Das Geschenk.

„Heute wird es einen Schneesturm geben.“ sagt der Vater und legt ein paar Scheite Holz in den Kachelofen. Durch die offene Ofentür sieht Paula die Flammen lodern. Traurig schaut das siebenjährige Mädchen zu ihrem Schreibtisch, auf dem die selbstgebastelten Wichtel aus Tannenzapfen und der Schlitten aus Zweigen steht, welcher mit Eicheln und Kastanien gefüllt ist. Ihre Augen füllen sich langsam mit Tränen.

Der Morgen ist noch jung am heiligen Abend auf dem Bauernhof weit oben in den Bergen. Die Mutter bereitet das Frühstück und Anton, Paulas kleiner Bruder, spielt auf dem Esstisch mit zwei Holzautos. Eigentlich wollte die Familie nach dem Mittagessen den Berg hinunter ins Dorf gehen, um gemeinsam mit Onkel, Tante, deren Kindern sowie den Großeltern die Christmette zu besuchen. Anschließend war das traditionelle Abendessen und die von den Kindern langersehnte Bescherung geplant. All das war nun nicht mehr möglich. Paulas Tränen laufen die Wangen hinab, sie stellt sich ans Fenster und sieht durch die Eisblumen hindurch auf den stärker werdenden Wind. Noch tanzen die Schneeflocken munter umher. Nur ab und zu bringt eine Windbö das Ensemble durcheinander. Mutter ruft zum Frühstück.

Nach dem Essen hilft Paula der Mutter beim Abwasch. Die Mutter hat bereits während des Frühstücks gemerkt, dass ihre Tochter traurig ist. Sie nimmt Paula in den Arm und tröstet sie. „Heute Nachmittag setzen wir uns alle an den Kachelofen und lauschen Vater, wenn er uns Weihnachtsgeschichten vorliest.“ Das heitert Paula nicht sehr auf. Sie wollte so gern ihre Geschenke heute bekommen. Doch diese warten unten im Dorf. Während Mutter den Eintopf für das Mittagessen bereitet, schaut Paula dem Schneetreiben zu. Der Wind ist stärker geworden und es pfeift um das Dach herum, als würde jemand laut und falsch auf einem Blasinstrument spielen.

Vater war noch kurz vorm Haus, um Holz zu holen. Gerade eben kommt er zur Tür herein, klopft sich den Schnee von der Jacke und lächelt Paula zu. Anton spielt wieder mit seinen Autos auf dem Küchentisch. Er hat aus Holzbausteinen einen kleinen Tunnel gebaut, wo er die Autos nun mit einem lauten „Brumm, Brumm“ hin und her fährt. Paula setzt sich zu ihm und faltet Schneeflocken aus Papier.

Mutter hängt die Papierkristalle nach dem Mittagessen an das Küchenfenster. Wegen des Schneesturms ist es bereits am frühen Nachmittag draußen ziemlich dunkel. Paula darf die Kerzen der Weihnachtspyramide anzünden. Es gibt Tee und selbstgebackene Plätzchen. Die beiden Kinder haben es sich mit der Mutter unter einer Decke am Ofen gemütlich gemacht. Begierung lauschen sie den Worten des Vaters, der aus einem alten Buch Weihnachtsgeschichten mit tiefer und sonorer Stimme vorliest.

Schnell bricht die Abendszeit an. Der Sturm heult noch immer um das Haus und stemmt sich gegen die Fensterscheiben. Doch sie halten dem Drücken und Zerren stand. Nur manchmal flackern die Kerzen ein wenig, wenn eine allzu starke Bö den Weg durch eine winzige Fensterritze gefunden hat. Das Abendbrot verläuft in gedrückter Stimmung, trotz des leckeren Kartoffelsalates, welchen die Mutter noch am Vormittag zubereitet hatte. Paula geht gleich nach dem Mahl in ihr Zimmer. Anton hilft der Mutter Äpfel auszuhöhlen und schon bald sollte lieblicher Bratapfelduft durch das Haus ziehen. Vater sitzt ebenfalls am Küchentisch und knackt Walnüsse. Paula hingegen hockt traurig an ihrem Schreibtisch und schaut die Zapfenwichtel und den Holzschlitten an. Jetzt zu dieser Zeit wäre die Bescherung gewesen. Dann schweift ihr Blick zum Fenster. Im Kerzenlicht erscheinen die Eisblumen noch zerbrechlicher als bei Tageslicht. Der Sturm wirft immer wieder Schneeflocken an das Fenster.

Doch plötzlich klopft etwas sanft gegen die Scheibe. Paula erschrickt. ‚Das war kein Schnee und auch kein Wind.’ flüstert sie und geht vorsichtig zum Fenster. Dort sitzt eine vom Sturm zerzauste Elfe auf der Spitze einer Eisblume und lächelt Paula an. Das Mädchen ist wie erstarrt von dem, was sie da gerade sieht. Dann lächelt sie zaghaft zurück und ihr wird klar: ‚Das schönste Geschenk ist, diesen besonderen Tag gemeinsam mit der Familie zu verbringen’.

Sie schaut noch einmal zum Fenster, doch die Elfe ist verschwunden. Paula presst ihre Nase an die Scheibe, doch sie sieht nichts als Dunkelheit und Schneeflocken, die an die Scheibe fallen. Dann rennt sie freudestrahlend in die Küche, herzt Vater, Mutter und ihren Bruder, der überhaupt nicht weiß, wie ihm geschieht. Kurze Zeit später liegt Paula im Bett und lächelt im Schlaf.

buch2

Wie aus einem Blog ein Buch wurde.

Noch kann ich es gar nicht richtig glauben, aber ich halte mein eigenes Buch in den Händen. Es ist ein merkwürdiges und zugleich überwältigendes Gefühl, denn jetzt kann die ganze Welt meine Gedanken und Erlebnisse in gedruckter Form lesen.

Ich ein Schriftsteller? Nein, so würde ich das nicht bezeichnen. Ich schreibe auf, was mich bewegt, was ich fühle und denke. Dies veröffentliche ich dann auf meinem Blog. Manche nennen es Internettagebuch oder auch Gedankensammelsurium. Wie dem auch sei, es bereit mir viel Freude, dies mit anderen Menschen zu teilen.

Nach etlichen Anfragen von Besuchern meiner Internetseite, den Blog doch als Buch zu veröffentlichen, habe ich nun diesen Schritt gewagt. Jetzt kann man meine Gedanken und Erlebnisse als Buch überall mit hinnehmen, auch dorthin, wo kein Funknetz es zulässt, im Internet zu lesen. Offline lesen, was ich online geschrieben habe. Ein faszinierender Gedanke.

Ich danke allen Lesern meines Blogs, die mich auf diese Weise motivieren, weiter zu schreiben. Ich danke meiner Freundin, die mich als Muse zu zahlreichen Beiträgen inspirierte. Mein Dank gilt ebenfalls Frau Rudenco und Frau Nägele von bloggingbooks.de, die mein Buchprojekt so unkompliziert betreuten.

Wer mag, kann sich das Buch überall im Buchhandel oder online kaufen. Wer es zudem signiert möchte, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen (tomatenhund (at) gmail.com).

Der Versuch, einen Schmetterling zu zähmen
ISBN-13: 978-3-8417-7148-3
Verlag: Bloggingbooks
Autor: Jens Hofmann
Seitenanzahl: 76
Preis: 16,80 €

Weihnachtszauber

Weihnachtsmorgen im Wald.

Mit Großvater holten wir als Kinder früher am Heiligabend das Bäumchen aus dem Wald nach Hause. Längst hatte er es ausgesucht: Eine duftende Blaufichte. Sie stand eingeengt und bedrängt von den anderen Nadelbäumen. Es war Zeit für sie. Der Platz wurde von den anderen Bäumen gebraucht. Großvater hatte einen Blick dafür, welche Bäume gefällt werden mussten und zeichnete sie, indem er mit dem Reißeisen die Rinde ritzte.

Gleich nach dem Frühstück ging es in den Wald. Mein Bruder und ich waren sehr aufgeregt. Großvater hatte sich die Säge in den Rucksack gesteckt, lediglich der Griff schaute oben heraus. Wir liefen über das Feld, der Schnee knirschte unter unseren Füßen und der Wind pfiff uns um die Ohren. Zum Glück hatte Großmutter darauf gedrängt, dass wir uns dick einmummeln, so dass uns die Kälte und der Wind nichts anhaben können. Jetzt waren wir ihr dafür dankbar.

Im Wald angekommen, war der Wind fast völlig verschwunden. Großvater stapfte zielstrebig durch den Winterwald. Die Bäume ächzten unter der Schneelast. Ein Eichhörnchen sprang durch den Tiefschnee, hielt kurz inne und schaute zu uns herüber. Ich meinte zu sehen, dass es uns zuzwinkerte. Dann kletterte es auf einen Baum und verschwand im Geäst. Ich lächelte. Wir liefen weiter.

Kurze Zeit später entdeckten wir quer über den Weg Spuren im Schnee. Wir Kinder blieben stehen und rätselten, wessen Fährte dies wohl sein könnte. Fuchs, Steinmarder oder gar ein Hermelin? Wir fragten Großvater. Er schaute auf die Spuren, runzelte nachdenklich seine buschigen Augenbrauen und meinte dann wissend, dass die Spuren von Reineke Fuchs stammten. Ich blickte zu meinem Bruder. Wir wussten genau, dass wir trotzdem noch einmal im Tierlexikon nachschauen würden, denn Großvater flunkerte manchmal.

Wir stapften weiter in den Wald hinein. Die Morgensonne ließ den Schnee vor uns glitzern und funkeln. Es war, als hätte Frau Holle Puderzucker über dem Wald verteilt. Der Anblick war traumhaft.

Wenig später erreichten wir einen dichten Baumbestand. Wir zwängten uns zwischen den Nadelbäumen hindurch. Dabei fiel uns Schnee von den Ästen auf die Köpfe und ins Gesicht. Wir lachten. Dann blieb Großvater stehen und zeigte stumm mit einer Hand auf eine Fünfergruppe Blaufichten.

Schnell liefen wir Kinder zu den Bäumen. Mein Bruder entdeckte als Erster das Ritzzeichen, welches Großvater an einem der Bäume angebracht hatte. Inzwischen hatte er die Säge aus dem Rucksack geholt und begann mit der Arbeit. Nach wenigen Augenblicken kippte die Blaufichte nur ein Stück nach vorn. Die anderen Bäume wollten sie wahrscheinlich nicht gehen lassen. Mein Bruder und ich zogen ein wenig an dem abgesägten Baum und dann lag er vor uns im Schnee: Fast gerade gewachsen und die Äste voller glänzender Nadeln. Kein Prachtexemplar, aber es war unser Weihnachtsbaum!

Großvater meinte, dass wir noch ein Stück weiter gehen sollten, zur Lichtung, da gäbe es noch eine Überraschung. Dabei zwinkerte er mit den Augen. Neugierig stürzten wir Kinder los, während Großvater den Baum schulterte und hinter uns her lief.

Schon bald sahen wir, was Großvater meinte: Sein Nachbar saß mit seinen beiden Enkeln auf der Lichtung. Sie hatten ein kleines Lagerfeuer entfacht und jede Menge Kartoffeln in die Glut gelegt. Wir setzten uns zu ihnen und wärmten uns ein wenig auf. Die beiden Großväter holten die Erdäpfel aus der heißen Glut, sobald die Schalen rissig wurden. Mit ihren Taschenmessern schälten sie die Kartoffeln und reichten diese zusammen mit einem Schälchen Butter herum, mit der wir die Erdäpfel dann bestrichen. Es schmeckte uns so gut, dass wir die Kälte für eine Zeitlang vergaßen. Die beiden Großväter lächelten verschmitzt. Diese Überraschung war ihnen gelungen.

Nach dem Mittagsmahl machten wir uns alle satt und glücklich auf den Weg nach Hause. Schließlich mussten wir Großmutter alles erzählen, den Baum schmücken, auf den Weihnachtsmann warten und vorher noch im Tierlexikon wegen der Schneespuren nachschauen. Sicher ist sicher.

Diese Geschichte ist mein Beitrag zur Anthologie “LeseBlüten – Weihnachtszauber 2012″ aus dem piepmatz Verlag (ISBN: 978-3-942786-19-5, 208 Seiten, broschiert, 3 Farbabbildungen). Ein Buch für große und kleine Weihnachtsfans mit Geschichten, Koch- und Backrezepten rund ums Fest.

tagpfauenauge

Der Versuch, einen Schmetterling zu zähmen.

Als die Morgen kühler werden und braunkappige Butterpilze zwischen Gras und Spinnweben wachsen, fliegt ein Tagpfauenauge in das Zimmer des Mädchens. „Er hat sich verflattert“, ruft sie und ist glücklich, als er auch am dritten Tag noch an ihrer Gardine hängt. Ab und zu gaukelt er durchs Zimmer.

„Endlich habe ich auch ein Tier!“ Das Mädchen bettelt: „Warum kann ich mir keinen Schmetterling zähmen? Bestimmt bleibt er freiwillig im Zimmer!“ Dass ein Tagpfauenauge den Winter nicht überlebt, wollte sie nicht wahrhaben.

Doch je kürzer die Tage werden, desto länger schläft der Schmetterling. Von Tag zu Tag wird er blasser wie die Sonne im November. Er kann nicht mehr fliegen. Eines Tages fällt er wie ein Ascheflöckchen von der Gardine. Das Mädchen ist traurig. Sie öffnet das Fenster. Vielleicht hilft die frische Luft ihrem Tier. Doch der Wind hebt das Flöckchen auf und trägt es aus dem Zimmer hinaus, die Wiese entlang, zum Feld hinüber. Mit tränenbedecktem Gesicht steht das Mädchen am offenen Fenster.

Im nächsten Sommer kommt ein Tagpfauenauge aus den hohen Brennnesseln geflattert, lässt sich neben dem Mädchen nieder und klappt die Flügel hoch und wieder auseinander. Der blaue Augenfleck leuchtet auf.

Sie lächelt und weiß nun, dass man nicht besitzen muss, was man liebt.

sommerwiese

Sommerwiesentraum.

Bäuchlings lassen wir uns auf die Sommerwiese fallen, hören das friedliche Gesumm und Gebrumm, riechen Schafgarbe, den Klee, das Gras. Die zitternden Gräser schlagen über uns zusammen. Der blaue Rittersporn hält Wache, das Johanniskraut und der Ginster leuchten gelb bis in die lichtgrüne Nacht hinein.

Sie stützt ihre Arme auf und beobachtet einen Marienkäfer auf einem schwankendem Halm. Ich schaue eine Weile zu und dann übermannt mich die Müdigkeit und ich schlafe ein. Ich fliege über die Wiese. Immer höher und immer schneller. Am Anfang sehe ich noch die vielen bunten Farbtupfer der Blumen und Sträucher. Bald nur noch einen grünen Fleck. Es geht immer höher und höher. Mir wird langsam kalt. Ich bekomme Angst.

Plötzlich holt mich etwas Unbekanntes aus diesem Albtraum. Sie hat einen Grashalm auf meiner Nase tanzen lassen: “…sechs, sieben schwarze Punkte hat der Käfer. Man könnte denken, es ist der vom vergangenen Jahr. Ein Punkt ist dazugewachsen, so wie der Jahresring für den Baum.” Wir sehen uns an und prusten los.

Um uns ist wieder der lichtgrüne Sommertag mit Rittersporn, Ginster, Johanniskraut und hundertdrei verschiedenen Gräsern.

Tim und der Kosmonaut – Eine Weihnachtsgeschichte.

Es war Ende November in der kleinen Stadt und es herrschte bereits eine bittere Kälte. Tim drückte sich die Nase an der Schaufensterscheibe des Spielzeugladens platt. Immer wieder wischte er mit dem Ärmel seiner Jacke die Scheibe blank, die durch seinen Atem beschlug. Fasziniert und zugleich gedankenverloren schaute er sich den kleinen Kosmonauten in seinem dicken Raumanzug an, der neben einer silbernen Rakete, an der rote Sterne prangten, stand und auf den Abflug wartete. Es sah aus, als ob der Kosmonaut Tim zuwinkte. Zumindest lächelte er ein wenig. Genau war das aber unter dem Helm nicht zu sehen, Tim war sich aber ganz sicher, dass der Raumfahrer dies tat.

Zu gern hätte Tim die Rakete und den Kosmonauten unter dem Weihnachtsbaum gesehen, doch Mutter sagte, dass neue Schuhe wichtiger seien.

Jeden Tag nach der Schule ging Tim zum Spielzeugladen und hoffte, dass kein anderes Kind die Rakete mit seinem Kosmonauten gekauft hat. Aber es stand immer noch da. Tim war jedes Mal erleichtert. Gemeinsam mit dem Kosmonauten wartete er Tag für Tag auf den Start der Rakete. Sie sollte in den Weltraum zu fernen Planeten fliegen, um diese zu erforschen.

Weihnachten rückte immer näher. Die dritte Adventskerze war schon längst angezündet. Wie jeden Abend, lag Tim in seinem Bett. Das Mondlicht lugte zaghaft durch das Fenster. Die Sterne funkelten am wolkenlosen Himmel. ‘Was wäre es schön, wenn ich jetzt mit meinem Kosmonauten und der Rakete spielen könnte.’ Mit diesen Gedanken schlief er ein.

Plötzlich rumorte es an seinem Fenster. Tim erschrak. Verschlafen blinzelte er unter der Decke vor. Der Kosmonaut stand draußen auf dem Fensterbrett und klopfte an die Scheibe. Schnell sprang Tim aus dem Bett und öffnete das Fenster. Eiseskälte schlug ihm entgegen. Aber das war jetzt egal. Sein Kosmonaut stand vor ihm und jetzt redete er sogar: “Ich wollte mich bei dir verabschieden, meine Mission beginnt gleich. Die Rakete ist startklar. Auf Wiedersehen, Tim.” Da sah der Junge, dass unten auf der Straße die kleine silberne Rakete mit den roten Sternen unter der Straßenlaterne stand. Erstarrt vor Kälte und Freude stand Tim am offenen Fenster. Der Kosmonaut war inzwischen wieder herunter geklettert und stieg in die Rakete. Er winkte. Tim hob seine rechte Hand und winkte zurück.

Wenig später züngelten kleine rote Flammen unter der Rakete hervor und langsam, mit einem kleinen Zischen, hob die Rakete ab. Als sie in Höhe des Fensters war, schaute der Kosmonaut durch das Bullauge der Rakete. Jetzt war sich Tim sicher: Der Kosmonaut lächelte. Die Rakete wurde schneller und schneller. Immer höher flog sie in den klaren Nachthimmel empor, bis nur noch ein kleiner roter Punkt zu sehen war.

Tim schloss das Fenster und kletterte glücklich in sein kuschelig warmes Bett zurück. Er schlief schnell ein. Dabei hatte er ein seliges Lächeln auf den Lippen.

Weihnachtszauber 2011
 Diese Geschichte ist mein Beitrag zur Anthologie “LeseBlüten – Weihnachtszauber 2011″ aus dem piepmatz Verlag.
Ein Buch für große und kleine Weihnachtsfans. Es gibt verschiedene Kapitel, z. B. für die, die noch an den Weihnachtsmann glauben oder es möchten und die, die es nicht mehr tun.
ISBN: 978-3-942786-11-9, 240 Seiten, broschiert, 6 Farbabbildungen.

Der Tomatenhund schreibt Missionstagebuch.

Wer schon mal ein wenig auf meiner Seite gestöbert hat, der weiß, dass mich der Tomatenhund schon seit meiner Kindheit begleitet. Er war eine Schlüsselfigur in dem fantastischen Kinderroman “Das Blaue vom Himmel” von Hannes Hüttner. Da mich dieser Roman nicht mehr loslässt, will ich Schnuppi, den Tomatenhund, in einem Experiment wieder aktiv werden lassen:

Auf einem Twitterkanal und einer Facebookseite kann man in einer Art Tagebuch die ganze Geschichte, mehr oder weniger buchgetreu, noch einmal miterleben. Die Herausforderung besteht hierbei, dass kurze, pragnnte Episoden in 140 Zeichen untergebracht werden müssen.

Dabei kann es auch passieren, dass sich die ursprüngliche Handlung ändert und einzelne Situationen länger oder kürzer erzählt werden oder gar neues dazu kommt. Hierzu ist auch die Interaktion der Leser gefragt. Wann die Geschichte zu Ende erzählt ist,  weiß keiner. Alles ist offen. Vielleicht entseht auch ein neuer Science-Fiction-Roman für Kinder und Erwachsene, die tief im Inneren auch noch Kinder sind.

Lassen wir die Mission starten. Doch noch wird an der Blockhütte gewerkelt, diese soll nämlich als Raumschiff umgebaut werden. Warum? Das steht in den ersten Tagebuchnotizen…

Kriegsspiele (Kurzgeschichte)

Kriegsspiele

„Manchmal ist die Vergangenheit die Gegenwart und niemand weiß, was die Zukunft bringt.“ Melmirh, Korunischer Feldherr und Philosoph

„Nicht schießen, bitte nicht schießen!“, flehte ich, den kühlen Lauf der Luger an meiner Schläfe spürend. Draußen hörte man das dumpfe Krachen einschlagender Granaten. Schreie hallten durch die rauchgeschwängerte Nacht. „Halt dein Maul! Diesmal hast du es zu weit getrieben.“, erwiderte eine tiefe Stimme neben mir. Ich fühlte, wie kalter Schweiß meine Uniform durchnässte. Ein Maschinengewehr begann in unmittelbarer Nähe zu rattern. Ich spürte mein Ende nahen. Todesangst überkam mich. „Gleich ist alles vorbei, nie wirst du mich wieder stören!“, murmelte die Stimme. Er drückte ab.

Vor meinen Augen glühte ein Flammenmeer. Im Unterbewusstsein hörte ich das dumpfe Bellen des Maschinengewehrs. Es klang, als wäre es weit entfernt. Die Flammen begannen zu verlöschen. Dunkelheit umfing mich…

…Licht. Warum wird kein Licht? Bin ich schon tot? Ich riss die Augen auf: Dunkelheit. ‘Also bin ich doch tot’, ging es mir durch den Kopf. Nein, mir ist doch etwas anderes durch den Kopf gegangen. Schrecken durchfuhr mich. Vorsichtig tastete ich nach meiner linken Schläfe. Nichts, keine Wunde. Ebenso behutsam fuhr ich mit der anderen Hand über meine rechte Schläfe. Wieder nichts. Wenn ich nicht erschossen wurde, warum ist es dann dunkel? Unsicherheit keimte in mir auf. Wo war ich gelandet? In meinem Inneren vernahm ich noch die Salven des Maschinengewehrs und das pfeifende Geräusch der heran fliegenden Granaten.

Ich untersuchte meine nähere Umgebung. Es roch nicht mehr nach Rauch und ringsum war alles still. Plötzlich ertasteten meine Finger eine kleine Erhöhung, die sich genauso anfühlte wie der Schalter meiner Nachttischlampe. Klick! Endlich Licht! Ich wurde geblendet.

Erleichtert erhob ich mich aus dem Bett, ging zum Computer, schaltete ihn ein und startete das Spiel. Ich wollte meinen Mörder suchen und mich an ihm rächen.

***

(Originaltext von 1996)

Eingesperrt

Es war geradezu stockdunkel. Ich lief eine Zeitlang wie benommen umher, bis ich in einer Ecke etwas Helles schimmern sah. ‘Was mag dies wohl sein’, dachte ich, während ich mich beeilte, dorthin zu gelangen. Langsam wurde es hier unheimlich heiß. Inzwischen war ich bei dem vermeintlichen Schimmern angelangt. Aber es war nur Licht, welches von der Decke herabfiel und auf dem Boden seltsame Formen widerspiegelte. Ein unheimlicher Gestank schlug mir entgegen. Es roch nach Fäkalien menschlichen Ursprungs. Es war widerwärtig. Doch ich mußte einen Ausgang finden, denn ich hatte noch einen Auftrag zu erfüllen. Also suchte ich weiter, stieß dabei beinahe gegen ein Hindernis, was sich als eine Art Wand entpuppte. Doch nirgendwo konnte ich einen Ausstieg entdecken. Langsam begann ich zu verzweifeln.

Plötzlich, wie von Geisterhand, öffnete sich die Wand und eine gleißende Lichtflut strömte auf mich ein. So schnell wie ich nur konnte, stürmte ich aus meinem Gefängnis. Noch halb vom Licht geblendet, versuchte ich, mich in der mir neuen Umgebung zurechtzufinden. Dann sah ich sie.

Einige meiner Kameraden waren dabei, den Auftrag auszuführen. Endlich konnte ich ihnen dabei helfen. Also packte ich mir ein süßlich duftendes Stück überreife Erdbeere, welches fast doppelt so groß war wie ich, auf den Rücken und lief meinen Kameraden hinterher. Vorbei an dem hohen Holzhaus, wo sich aus irgendeinem Grund in der Tür ein Loch in Form eines Herzens befand, hinein in den Wald zu dem großen Ameisenhaufen.

(Originaltext von 1997)