Sommer im Pinzgau oder Berge, Kühe und Schweiß.

Wieder ist ein Jahr herum und wieder bin ich im Pinzgau (Kitzbühler Alpen, Österreich) gelandet. Genau auf dem Biobauernhof, wo ich letztes Jahr so herzlich willkommen geheißen wurde und dort wo die Kühe jedermann in der Früh aus dem Schlaf muhen. Hatte ich doch letztes Jahr viel erwandert und erlebt, jedoch bei weitem nicht alles gesehen, was ich mir vorgenommen hatte. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten. Zudem hatte ich dieses Jahr Verstärkung in Form meiner Freundin mitgenommen, so dass man sich gegenseitig motivieren kann, wenn es bergauf mal etwas klemmt.

So ging es dieses Jahr wieder auf die Hochalpenstraße hinauf zur Franz-Josef-Höhe, wo man auf dem Gamsgrubenweg (ca. 2.500m ü. M.) hinüber zum Großglockner (3.798m ü. M.) schauen kann, jenen Berg, der einen immer wieder aufs Neue fasziniert. Leider war der Gipfel wolkenverhangen und es gab Sturmböen bei 14 Grad, aber genau diese Dinge machen einen Urlaubstag zur unvergesslichen Erinnerung.

Den nächsten Tag durchwanderten wir bei schönstem Sonnenschein und 28 Grad im Schatten das Hollersbachtal mit einem sehr wissensauffrischenden Bachlehrpfad. Es ging bergauf bis zur Senningerbräu Alm (1.132m ü. M.) und wieder bergab, der Schweiß tropfte uns nicht nur von der Stirn.

Die Wanderung zur Baumgarten Alm (1.402m ü. M.), welche eine eigene Käserei hat, war durch Nieselregen geprägt, was aber auch eine einzigartige Atmosphäre mit sich brachte: Nebel hing in den Bäumen und verdeckte die Sicht auf die Berge ringsum. Es herrschte Stille bis auf das ewige Bimmeln der Kuhglocken, die sich auf den saftigen Almen satt fraßen. Solche Momente sind es, in denen man völlig vom Alltag abschalten kann.

Ein besonderes Highlight war die Begehung des Wasenmoos Lehrpfades in der Nähe des Pass Thurn (1.274m ü. M.). Auf dem eigentlich dreistündigen Rundweg sahen wir Pflanzen, die es nur in Mooren gibt, z. B. verschiedenste Seggengräser. Auffallend war die große Anzahl von Ameisenhaufen, welche den Weg säumten und deren fleißige Bewohner wir bewundert beobachten. Es war faszinierend zu sehen, wie die Sechsbeiner überameisengroße Zweige flink zum Heimathaufen schleppten.  Dann bogen wir irgendwann mal falsch ab und es wurde eine über vierstündige Wanderung daraus, deren Ende wir mit einem zünftigen Mahl in Form von Kasnocken (Spätzle mit Käse in der Pfanne gebacken und obenauf geschmorte Zwiebeln) in einem hiesigen Gasthaus beendeten.

Nun ist es aber so, dass wieder viele Wanderziele offen geblieben sind und es unausweichlich bleibt, wieder hierher zu fahren.  Nächstes Jahr im Sommer. Pinzgau, wir kommen wieder.

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Tag 6: Das Obersulzbachtal und der Holundersaft

Tag 6: Das Obersulzbachtal und der Holundersaft

Nach einer für mich aus unerklärlichen Gründen unruhigen Nacht bin ich dann doch kurz nach 7 Uhr aufgestanden. Ein Blick zum Fenster sagte mir: ‚Es wird wieder heiß.’ Also schnürte ich nach dem Frühstück wieder mein Ränzl, was in Wirklichkeit ein moderner Wanderrucksack war und fuhr ins 16 km entfernte Obersulzbachtal.

Der Parkplatz nannte sich Hopffeldboden und lag in 1.090m Höhe und kostete wie gestern auch zwei EURO Gebühr. Es waren sehr wenige Autos auf dem Parkplatz, okay, es war auch erst 8:30 Uhr. Jedenfalls lief ich den Forstweg entlang Richtung Obersulzbachtal. Die ersten Meter waren mäßig in der Steigung, was sich jedoch alsbald änderte. Es wurde steiler, Schweiß bildete sich auf meiner Stirn und rann mir in die Augen und brannte dort fürchterlich. Irgendwann musste ich doch die Berndlalm erreicht haben. Die lag jedoch in einer Höhe von 1.514 Metern, die ich noch längst nicht erreicht hatte. Jetzt wurde der Weg noch steiler, und ich musste in Serpentinen mit echten Spitzkehren hinaufkeuchen. Nach einer reichlichen Stunde bergauf, konnte ich kurz vor der Alm den beeindruckenden Gamseckwasserfall, der immer eine Fahne Sprühnebel erzeugte, betrachten. Zehn Minuten später war ich dann auf der Berndlalm. Von da an erstreckte sich nun das idyllische, fast schon kitschige Tal mit den großen Weideflächen und den dort unvermeidlichen Kühen. Am Horizont grüßte der schneebedeckte Große Geiger (3.360m).

Es ging nun ins Tal hinein, vorbei an der Poschalm (1.538m) und der Foissenalm (1.566m) hinauf zur Postalm (1.699m). Diese wirklich sehr beeindruckende Wanderung dauerte eine Stunde. Ich machte auf der Postalm kurz Rast und lief wieder zur Berndlalm, diesmal das Tal von der anderen Seite betrachtet. Aber kein Schatten weit und breit, die Sonne knallte ohne Erbarmen auf mich hernieder. Aber die landschaftlichen Reize ließen mich die Hitze fast vergessen.

Eine Stunde später traf ich wieder an der Berndlalm ein. Ich hatte Mittagshunger und wollte mich dort sättigen. Vier Leute saßen schon da und verspeisten ihr Mahl. Ihr zufriedener Blick, ließ leckeres Essen erwarten. Also setzte ich mich draußen unter einen Sonnenschirm, bestellte Kasnocken (Spätzleteig mit Käse in der Pfanne gebacken und obendrauf geröstete Zwiebeln), dazu gab es einen halben Liter Holundersaft, vom Chef persönlich angesetzt, versicherte er mir. Die Kasnocken war köstlich, der Holundersaft ein Traum. Ich ließ mir gleich meine Wanderflasche mit diesem köstlichen Saft füllen. Absolut empfehlenswert die Küche dort.

Dann ging es auch schon wieder weiter, ca. zwanzig Minuten den Forstweg entlang, dann bog ich in einen, zum Teil sehr steinigen, Weg ein, der mich eine reichliche Stunde über die Kampriesenalm (1.415m) hinunter zum Parkplatz führte. Dieser Pfad führte abwechselnd durch den Wald, dann wieder über eine Wiese, aber immer relativ steil bergab. Keine Menschenseele kam mir entgegen.

Endlich war ich wieder am Parkplatz angekommen, fix und alle von der Tour, die insgesamt 1.200 Höhenmeter und ca. 20 Längenkilometer hoch bzw. lang war. Als Belohnung gab es gleich auf dem Parkplatz die gesamt Flasche Holundersaft. Leider stellten sich auf den letzten Kilometern im rechten Knie Schmerzen ein. Hoffentlich waren die morgen wieder weg, eine Wanderung wartete noch auf mich.

Später schaute ich mir mit drei neuangekommenen Gästen aus Leipzig das äußerst spannende Viertelfinale Niederlande gegen Brasilien an. Brilliant, wie die Holländer die Brasilianer ins Aus kickten.

Die Bilder zum Tag: http://bit.ly/alpentag5

Tag 5: Der Smaragdweg und das Rennschwein

Tag 5: Der Smaragdweg und das Rennschwein

Es versprach ein wundervoller Tag zu werden, die Sonne lachte bereits früh vom Himmel und fast keine Wolke war am Himmel zu sehen. Der österreichische Rundfunk kündigte den heißesten Tag des Jahres an. Ich nahm mir trotzdem meine Jacke mit, man weiß nie, was in den Bergen passiert. Diesmal hatte ich mich mit Sonnencreme versorgt, damit ich bald den Stamm der Rotstirn-Indianer verlassen kann.

Startpunkt war der Parkplatz am Habachtal (867m), ganze 7 km von meiner Unterkunft entfernt. Diesmal kostete es bloß zwei EURO Parkgebühr und zur Erklärung stand da, dass durch die Absperrung die Autos vor den freilaufenden Kühen geschützt würden. Das war akzeptabel. Los ging es durch ein Steintor mit der verheißungsvollen Aufschrift „Smaragdweg“.  Ein befestigter Weg führte in den Wald, links floß ziemlich lautstark die Habach und sie sollte mich bis zum Endpunkt meiner Wanderung begleiten, wenn auch später auf der rechten Seite. Langsam, aber stetig ging es bergauf.

Von Zeit zu Zeit gab es verschiedene Wissensstationen zur Smaragdförderung bzw. zur Erklärung der Entstehung der Gesteine in diesem Tal. Hier war also das einzige Smaragdvorkommen in Europa und die Queen hat einen der größten dieser grünen Edelsteine in ihren Kronjuwelen. Das haben die Engländer sich damals einfach mitgenommen. Unglaublich, aber wahr. Bald folgte eine Quelle, aus der man das klare, kalte, mit Mineralien angereicherte Wasser trinken konnte. Was ich auch tat und zugleich noch meine Hände und mein Gesicht abkühlte, denn es war wirklich sehr warm.

Nach einer guten Stunde bergauf kam ich zur Enzianhütte (1.313m). Dort sah ich schon von weitem, dass einige Läufer (junge Schweine) über die Wiese flitzten und sich das große Schlammloch am Wegesrand zum Suhlen auserkoren hatten. Schlamm ist eben die Sonnencreme der Schweine. Nur Rudi, das Rennschwein, wetzte auf der Wiese laut grunzend hin und her. Das musste ich natürlich für die Ewigkeit festhalten. Dabei kam Rudi immer näher auf mich zu galoppiert, jedoch konnte das Schwein gerade noch ausweichen, sonst hätte es mich überrannt. Laut schnaufend rannte es weiter zum Ende der Wiese. Was es doch für seltsame Schweine auf dieser Welt gibt. Kurz darauf begegnete ich noch einem in der Nase gepiercten Jungbullen, der es trotz Plastik im Riechorgan schaffte, mit seiner Zunge zu popeln. Aber ich musste weiter.

Eine knappe halbe Stunde später passierte ich den Gasthof Alpenrose (1.400m) und zehn Minuten später kam ich an der Moar-Alm (1.410m) an. Dort ging ich noch eine Viertelstunde weiter und sah dort den Talschluss. Also es ging nicht weiter, sondern nur bergauf zur Neuen Thüringer Hütte (2.212m), was ich mir aber heute nicht gönnen wollte. Schließlich musste ich den ganzen Weg zurück. Aber erstmal machte ich Rast, ließ meine Füße frei atmen und genoss die unglaubliche Aussicht ringsum und kaute dabei meine selbstgeschmierten Bemmen.

Nach einer halben Stunde Picknick machte ich mich auf den Rückweg. Am Gasthof Alpenrose waren gerade drei Kleinbusse mit Rentnern angekommen, die wahrscheinlich dort für Umsatz sorgen sollten. Ich war zum Glück schon satt und ging weiter. An der Enzianhütte angekommen, hielt ich nach den Schweinen Ausschau, aber die waren wahrscheinlich schon wieder in ihrem Stall. So ging ich hinunter zum Ausgangspunkt meiner Wanderung, genoss zwischendurch nochmals die herrlichen Ausblicke, die sich mir boten. Der österreichische Rundfunk hatte Recht, es war sehr heiß, der Temperaturfühler am Auto zeigte 33 Grad. Geschafft, aber zufrieden, setzte ich mich ins saunaheiße Auto. Smaragde habe ich leider keinen gefunden.

Für Insider: Im hiesigen Dorfkonsum habe ich mir noch ein paar Lebensmittel besorgt und in der Eistruhe an der Kasse fand ich doch tatsächlich ein NOGGER, welchen ich gleich draußen auf dem Parkplatz gierig verschlang.

Die Bilder zum Tag: http://bit.ly/alpentag4a

Tag 4: Die Krimmler Wasserfälle und ein Exkurs in die Schuhwelt.

Tag 4: Die Krimmler Wasserfälle und ein Exkurs in die Schuhwelt.

Der Tag der dritten Wanderung stand an. Diesmal hatte ich mir die größten Wasserfälle Europas und die fünfthöchsten weltweit ausgesucht. Der Anfahrtsweg war mit 15 km recht kurz. Dafür war der unbewachte Parkplatz mit 4 EURO Gebühren recht teuer, zumal der Eintritt zu den Wasserfällen nur 2 EURO kostete. Umgekehrt hätte ich es besser empfunden, da die Wanderwege zu den Wasserfällen auch gewartet werden müssen und der Parkplatz einfach nur da war. Wie ein Luchs wartete der Kioskbetreiber auf der anderen Straßenseite, bis ein neues Auto auf den Parkplatz fuhr, dann sprintete er über die Straße und baute sich vor der Fahrertür des Neuankömmlings auf und forderte Bargeld. Sei es drum, kurz vor halb zehn startete die Aktion Wasserfälle.

Als ich in Richtung Eingang (1.070m) schritt, wurde mir klar, dass es heute nichts mit Ruhe genießen wird. Ein fast ohrenbetäubender Lärm von den herabstürzenden Wassermassen drang an meine Hörorgane. Es waren zum Glück noch nicht viele Menschen unterwegs, so dass ich die Serpentinen, welche dem Wasserlauf hinauf folgten, unbehelligt hinaufsteigen konnte. Es gab in verschiedenen Abständen sogenannte Kanzeln, auf die man treten konnte, um den Wasserfall, die Gischt oder den feinen Sprühnebel aus den unterschiedlichsten Perspektiven noch näher zu bewundern.

Der Wasserfall hat insgesamt eine Fallhöhe von 380m, geteilt in drei Stufen, d. h. diese Höhenmeter musste ich schaffen, um an den Ausgangspunkt der Fälle zu gelangen. Das war doch recht anstrengend, ich fing sogar am Ende an, ein wenig zu transpirieren, obwohl keine Sonne schien. Doch hätte ich mir Frau Klara gern gewünscht, denn in der aufschäumenden Gischt hätte es prima Regenbögen gegeben. Aber es war auch so ein faszinierendes Naturschauspiel. Als ich nach etwa einer Stunde mit Schweiß bedeckter Stirn die oberste Stufe der Wasserfälle (1.460m) erreicht hatte, genoss ich erstmal den Ausblick in die Tiefe.

Doch damit nicht genug. Ich lief weiter, wollte einmal so ganz klischeehaft auf einer Alm ein zünftiges Mahl zu mir nehmen. So ging es noch ca. eine halbe Stunde weiter auf eine Alm mit spektakulären Blick auf die Berge ringsum. Auch diesmal blieben mir Kühe auf dem Weg nicht erspart, doch hatte ich ja Erfahrung gesammelt, wie man mit den doof dreinblickenden Rindviechern umgeht. Lächeln und weiter gehen. Funktionierte wieder ohne Probleme. Schließlich war ich an der Hölzlahneralm (1.580m) angekommen. Es gab Erbssuppe mit Wiener Würstchen. Klang gut, war es aber nicht. Es war einer der Suppen, von der mir meine Oma erzählt hat. Diese Art von Suppen gab es im bzw. nach dem Krieg, sie hatte zwar Farbe, war aber dünn wie Wasser, weil die Zutaten nicht in ausreichender Menge vorhanden waren. So war es auch hier, grünes Wasser mit Wurst. Vielleicht ist die Nachricht des Kriegsendes auch bis zum Jahr 2010 noch nicht bis auf die Alm vorgedrungen. Enttäuscht vom Essen trat ich den Rückmarsch an.

Von der Alm bis zum Beginn der Wasserfälle kamen mir schon sehr viele Leute entgegen. Es wurden noch viel mehr Menschenmassen, als ich die Serpentinen hinabschritt. Ich blickte in die meist hochroten Gesichter der aufsteigenden Leute und dachte mir, dass ich dies ja heute früh auch geschafft hatte. Die sollen mal nicht so keuchen und schnaufen.

Was ich beim Hinabschreiten an den schwitzenden Menschen sah, löste bei mir teils Erheiterung, teils Kopfschütteln aus. Es ist sehr faszinierend, welches Schuhwerk Menschen beim Wandern anziehen. Sicher hatten die meisten Wanderschuhe oder geeignete Sportschuhe an den Füßen, jedoch gab es einige Kuriositäten: Über die kurzhosigen, bekniestrumpften Männer in Sandalen sah ich stirnrunzelnd hinweg. Ein Mann aus einem anderen Kulturkreis trug Espandrilles, diese Schuhe mit Hanfsohle waren sicher oben auf dem Berg aufgeweicht, das war aber nicht mein Problem. Seine Frau trug Ballerinas aus Satin oder Ähnlichem. Zwei blutjunge Mädchen gingen in kürzesten Miniröcken und trugen an den Füßen Flip Flops. War sehr nett anzusehen, aber total unpraktisch. Dann gab es noch Leute, die trugen Crogs, hochhackige Pumps oder Gummistiefel. Barfuß war keiner unterwegs. Das vermisste ich noch in meiner Sammlung.

Mein Auto stand, trotz des unbewachten Parkplatzes, noch immer da. Für vier EURO konnte man das auch erwarten. Glücklich, aber geschafft fuhr ich zurück zum Bauernhof, mit meinen Erlebnissen im Kopf und einem monotonen Rauschen des Wasserfalls im Ohr.

Die Bilder zum Tag: http://bit.ly/alpentag3

Tag 3: Der Wildkogel, die Ungarn und die Kühe

Tag 3: Der Wildkogel und die Kühe

Seltsamerweise wachte ich auch am zweiten Wandertag vor 7 Uhr auf, dabei hatte ich doch Urlaub und könnte länger schlafen. Sei es drum. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das stimmte insofern, denn das Frühstück entsprach wie jeden Tag ganz meinen Vorstellungen, nur eben ohne Wurm, bin ja auch kein Vogel.

Für heute hatte ich mir den Wildkogel (2.224m) vorgenommen. Also bin ich in den Nachbarort gefahren, um dort in die hiesige Gondelbahn zu steigen. Leider hatte ich mich nicht richtig informiert, denn die ersten Kabinen sollten sich erst 9:30 Uhr in Bewegung setzen. Was machte ich nur mit der Stunde, die ich jetzt noch vor mir hatte? Ich ging in die hiesige Touristeninformation und schaute mich um. Da lag ein Faltblatt zur Wildkogelbahn aus und dort stand schwarz auf weiß, dass die erste Fahrt um 9:30 Uhr stattfindet. Aber das wusste ich ja nun schon. Den Rest der Zeit verbrachte ich auf den Stufen des Eingangs der Gondelbahn und beobachtete die Teilnehmer einer ungarischen Rentner-Reisegruppe, welche direkt vor dem Eingang der Kabinenbahn aus einem Bus entstiegen. Ich dachte daran, dass dieses Völkchen den unvergesslichen Adolar, den Pom-Pom und den Mikrobi hervorgebracht hatten und dies trotz dieses seltsamen Kauderwelschs, was diese Leute sprechen.

Weiter konnte ich nicht darüber sinnieren, denn die Pforten zur Bahn öffneten sich. Ich setzte mich in eine Kabine und schaukelte der Bergstation entgegen. In meiner Gondel saß ein hagerer Mann, so um die Vierzig, nur die Brille stammte wahrscheinlich von einem amerikanischen Studenten aus den 70er Jahren, sicher ein Geschenk vom Schüleraustausch damals. Er hatte einen riesigen Rucksack dabei. Drinnen war ein Paragleiter verriet er mir und den wollte er auch gleich benutzen. Während der zehn Minuten Fahrt testete er sein Höhenmeter. Aber das Gerät piepste nur monoton vor sich hin. Hoffentlich funktionierte es richtig, wenn er in der Luft war. Ich wünschte ihm Hals- und Beinbruch, als wir ausstiegen. Sicher war ich mir nicht, ob es der richtige Gruß war.

Ein unglaublicher Blick bot sich mir als ich aus der Bergstation (2.100m) trat. Täler, Berge, Hütten, und leise das Klingen der Glocken der Kühe, welche weiter unten auf einer Alm sich am Gras labten. Sogleich machte ich mich auf den Weg zum Wildkogel. Von der Bergstation bis zum Gipfel sind es zwar nur reichlich hundert Höhenmeter, aber der Weg dahin ist relativ steil und steinig. Dann endlich, wie es Stephan Remmler voraus gesagt hat: Oben auf dem Berg. Die Rundumsicht ist tatsächlich atemberaubend. Es gibt sogar ein Gipfelkreuz. Es war einer der Momente, wo ich mit der Natur eins war, ganz allein auf dem Gipfel eines Berges. Die ungarischen Reisenden sind wohl gleich zum Wildkogelhaus unterhalb der Bergstation zum Schmausen gelaufen, keiner von unseren südlichen Fastnachbarn hat den Berg erklommen.

Ich ging vom Gipfel einen anderen Weg weiter, er führte mich auf dem Bergrücken sanft hinunter auf eine Alm. Eine knappe Stunde bin ich dort mutterseelenallein gewandert, nur die Bienen und Hummeln summten, wenn ich an einer Alpenrosenwiese vorbei kam. Es war traumhaft. Auf der Alm, die nur aus einem Wegweiser und einer Bank bestand, machte ich ein kleines Picknick und entschied mich danach, den Weg weiter hinunter zu gehen. Die Vegetation nahm wieder zu, das Gras wurde grüner, ich sah jetzt Enzian und Gold-Pippau. Etliche Pfützen mit Brackwasser, auf denen sich Wasserläufer tummelten, säumten meinen Pfad. Die Stille war faszinierend. Ich wusste nicht, ob ich weinen sollte oder nicht, tat es letztendlich aber nicht, es konnte mich vielleicht doch jemand sehen.

Nach einer weiteren knappen Stunde sah ich sie: Kühe lagen auf meinem Weg und glotzen mich doof an. Wie sollte ich nun dort unbeschadet vorbeikommen? Ich nahm meinen Mut zusammen und lächelte, als ich auf sie zuging. Die Rindviecher guckten mich immer noch blöd an. Plötzlich stand eine von ihnen auf, obwohl ich noch nicht vorbei war. Ein flaues Gefühl beschlich mich. Doch sie interessierte sich nicht für mich, sondern düngte mit lautem Platschen die Wiese. Geschafft.

Jetzt war es noch eine knappe halbe Stunde bis zum Wildkogelhaus, wo sicher noch die ganzen Magyaren herumlungerten. Aber keine Spur war mehr von ihnen zu sehen. So trank ich dort einen Johannisbeersaft und machte mich anschließend auf den Weg zur Mittelstation der Seilbahn. Der Abstieg dorthin war steil, aber sehr romantisch. Kleine Bächlein bahnten sich den Weg ins Tal, Hunderte der verschiedensten Blumen machten den Weg bunt. In der Gondel nach unten war ich allein. In der Talstation angekommen, empfingen mich 30 Grad im Schatten. Da war es oben auf dem Berg angenehmer. Kaputt und mit dampfenden Füßen setzte ich mich ins Auto und fuhr auf „meinen“ Bauernhof, um mir aus dem dortigen mit Quellwasser gespeisten Brunnen eine Flasche Almdudler (Brause) zu genehmigen.

Die Bilder zum Tag: http://bit.ly/alpentag2