Ein Herbstmorgen in Dresden.

Wie jeden Wochentagmorgen quäle ich mich aus dem Bett und mache mich anchließend auf den Weg zur Arbeit. Heute ist es irgendetwas anders. Mit noch halbgeschlossenen Augen, in Gedanken im kuschelig warmen Bett, nehme ich wahr, dass es heute noch nicht so richtig hell ist.

Nebel wabert über die Elbwiesen. Verschlafen blinzeln mich die Elbschlösser auf der anderen Seite des Flusses an. Es herrscht morgendliche Ruhe. Nur hier und da zwitschert zaghaft ein Vogel. Die Bäume zeigen leise raschelnd ihr rot-gelb-braunes Gefieder, welches feucht vom Reif glänzt. Ab und zu stehen zartblaue Wegwarten am Straßenrand und nicken sanft mit ihren Köpfen.

Je näher die Innenstadt kommt, desto lichter wird der Nebel. Die Sonne erkämpft sich ihre Tagesherrschaft. Der Lärmpegel steigt. Autos brausen über die Straßen und stehen dann doch im Ampelstau. Radfahrer schlängeln sich durch den Verkehr. Eine Straßenbahn quietscht um die Ecke.

Dann endlich bin ich auf Arbeit angekommen. Inzwischen bin ich ein klein wenig wacher und in mir ist die Erkenntnis gereift: Der Herbst ist da!

Dresden – Meißen und zurück.

Dresden. Sonntag 9:30 Uhr. Die Sonne lacht. Das Knie schmerzt nach dem kleinen Badminton-Unfall Anfang des Jahres auch nicht mehr. Also den Drahtesel geschnappt auf zu ersten Radtour dieses Jahr.

Ersteinmal geht es ein Stück durch die Stadt bis zur Flügelwegbrücke, dann auf den Elbradweg Richtung Meißen. Angenehme 12 Grad und (noch) kein Wind erlauben ein entspanntes Fahren. An der Gohliser Windmühle ist noch keine Menschenseele. Lediglich ein paar (langsame) Rentnerradfahrer zuckeln den Radweg entlang.

Hinter der Autobahnbrücke fängt der Frühling richtig an. Blühende Büsche verströmen ihr Aroma und kitzeln meine Nase. Kohlweißlinge und Zitronenfalter suchen auf den Blüten nach Nektar. Laufkäfer huschen schnell über das schmale Band grauen Asphalts. Eine Fliege verirrt sich in meinem Ohr und ich helfe ihr wieder heraus. Saatkrähen begleiten mich schnarrend ein Stück des Weges.

Hinter Coswig fahre ich dann an den schon verblühten Aroniasträuchern vorbei. Inzwischen hat der Verkehr zugenommen. Familien mit Kinderwagen spazieren gemächlich auf dem Elbradweg. Inlineskater fahren mit ausladenden Schritten. Lange Radschlangen an Gegenverkehr lassen Autobahnfeeling aufkommen. Aus einem Biergarten nahe Meißen steigt mir Grillduft in die Nase, doch ich bleibe hart. Die Vögel zwitschern ihre Lieder, auf der Elbe tuckert ein Schleppkahn Richtung Tschechien. Der Kopf wird langsam frei von der Last des Alltags.

Dann bin ich in Meißen. Auf der gegenüberliegenden Elbseite ragt die Albrechtsburg majestätisch in den Himmel. 23 km liegen nun hinter mir. Ich verschnaufe kurz, trinke Stachelbeersaft aus der Flasche und trete den Heimweg an. Natürlich ist es an der Elbe immer so, dass mir rückzu der Gegenwind ins Gesicht pustet. Das macht das Fahren natürlich anstrengender. Nach 40 km fängt auch noch der Hintern an zu schmerzen. Das Knie meldet sich bei Kilometer 42. Aber Zähne zusammen gekniffen und weitergefahren. Die Dusche ist schon ganz nah. Die Natur mit all ihrer Schönheit und den Gerüchen fliegt wieder vorüber. An der Gohliser Mühle herrscht inzwischen Volksfeststimmung.

Endlich zuhause. Schnell das Rad in den Keller geschafft und ab unter die Dusche. Was bin ich bin stolz auf mich, dass ich meinen inneren Schweinehund mal wieder ein Schnippchen geschlagen habe.

Für die Interessierten hier noch die detaillierten Daten der Tour: http://bit.ly/mPyxW2

(Leider fehlt der letzte Tourkilometer, aber ich musste die Tour speichern, bevor der Handyakku leer war.)

Warum man beim Radfahren nicht seinen Gedanken nachhängen soll.

Gestern hat es den ganzen Tag über geregnet. Für die Natur war es lebensnotwendig und auch uns Menschen tat die Abkühlung gut. Heute früh war der Himmel zwar grau, aber es regnete nicht. Also habe ich mir kurzerhand mein Rad geschnappt und bin runter auf den Elbradweg gefahren.

Dort angekommen, erwartete mich leichter Sprühregen mit Gegenwind sowie eine Nacktschnecken-Invasion. Hunderte dieser häuserlosen Weichtiere in vielerlei farblichen Ausprägungen und Körperdicken schleimten über den Weg. Nicht immer konnte ich ihnen ausweichen. Aber ich möchte das hier nicht weiter ausführen.

Später kam ich dann an einer großen Schafherde vorbei. Die Felltiere glotzen treubrav. Ich war total in Gedanken versunken, als plötzlich ein mehrstimmiger Chor meinen Namen rief: “Jeeeens”. Abrupt wurde ich aus meinen Gedanken gerissen und sah mich um. Keiner war zu sehen. Da war es wieder: “”Jeeeens”. Hatte ich Halluzinationen und war nun völlig neben der Spur? Und nochmals hörte ich meinen Namen gedehnt rufen.

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Schafe hatten mich persönlich begrüßt. Ich hatte, voll in meinen Grübeleien vertieft, das Blöken der Schafe als Rufen meines Namens vernommen…